Erst denken – dann sprechen…

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Vielleicht haben Sie öfter mal an diese Weisheit gedacht, wenn Sie so manche Meldung in der Zeitung gelesen haben. Erst denken, dann sprechen und nicht umgekehrt. Das möchte man immer denjenigen zurufen, die spontan und unüberlegt etwas von sich geben und es hinterher bereuen oder gar denjenigen, die aus unbedachten Äußerungen nicht einmal zu lernen scheinen.

Grundsätzlich ist es nie gut – besonders in emotional aufgeladenen Momenten – sofort zu sagen, was einem durch den Kopf geht oder was man manchmal herausschreien möchte. Natürlich – so möchte man einwenden – zeigt dies eine ehrliche, vielleicht auch für andere Menschen verständliche Reaktion auf das Leben, wie es sich einem darstellt. Aber, und das sollte man immer bedenken, dies sind Reaktionen auf Situationen des Lebens, wie sie sich mir ganz persönlich darstellen. Das bedeutet auch, dass sich dieselbe Situation für eine andere Person ganz anders darstellen kann und dementsprechend anders gesehen wird. Konstruktivisten würden hier einfügen, dass der Mensch eine subjektive Realität erzeugt, die in starkem Maße von seiner individuellen Prägung abhängig ist.

Wenn also Daimler ein Zitat vom Dalai Lama in guter Absicht bei Instagram postet und damit China brüskiert, ist das nicht gerade ein Zeugnis von interkultureller Kompetenz. Und hierbei gehe ich nicht näher darauf ein, ob es einfach nur gedankenlos war, oder ob möglicherweise sogar damit gespielt oder taktiert wurde, dass die allermeisten Chinesen nicht auf Instagram zugreifen können. Und wenn sich das Unternehmen daraufhin mehrfach in unterwürfiger Weise bei den Chinesen entschuldigt und in der Folge von den Deutschen nicht mehr verstanden wird, ist das genauso wenig intelligent oder weise. Den weisen Anstrich, den man sich mit einem Dalai-Lama-Zitat geben wollte, hat man damit geradewegs wieder zunichte gemacht.

Wenn Martin Schulz sich wenige Minuten nach Schließung der Wahllokale sehr emotional und unbedacht zeigt – obwohl, das muss man sagen, er an diesem Abend eine Performance zeigte, die er besser während des Wahlkampfes hätte zeigen sollen – und wenn er auch in den Wochen und Monaten danach mehrfach Äußerungen macht, die er später zu gegebenem Zeitpunkt selbst wieder einkassiert, kann man wohl nicht mehr von reflektierter, authentischer oder gar gelingender Kommunikation sprechen.

Was also kann die Lösung für solche Kommunikations-Desaster sein?

Die Beantwortung dieser Frage nimmt natürlich ein wenig mehr Raum und auch Intervention in Anspruch als einen schlauen Satz, doch als gedankliche Anregung sei hier zumindest gesagt: Denke, bevor du sprichst; reflektiere die Situation und die eigene Gefühlslage und hab immer die möglichen Angesprochenen mit ihrer subjektiven Realität im Blick!

Bestimmte Instrumente helfen selbstverständlich auch dabei, Kommunikation sehr viel gelingender zu gestalten, doch sollte man sie nicht wie Martin Schulz im Wahlkampf über Gebühr strapazieren oder wie auswendig gelernt herunterleiern, sodass sie nach viel zu häufigem Gebrauch in zu kurzer Zeit sogar von dem letzten Laien als Hilfsmittel erkannt werden. Doch das ist ein anderes Thema….

 

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